Samstag, 24. Oktober 2015



Des Herbstes Malerhand –
Von warmen Farben satt
Zieht durchs kühle Land
Und streift sachte Bäume, jedes Blatt ...

Die Sonne zieht immer ferner ihre Kreise
Und das Leben sammelt sich –
In die inn're Welt führt diese Reise,
Da vom Äuß'ren nun das Laute wich.

Der äuß're Schein vergeht,
Im Innern flammen zarte Lichter hoch
Und wo eben starker Wind geweht,
Zeigt sich glatt der Seele Wasserspiegel.


Des Herbstes Malerhand
Taucht die Welt in Rot und Braun.
Gleich einem ein fliegend' Band
Kennt sie keine Grenze, keinen Zaun.

Sie kündet von der langen Stille,
Den weißen Flächen schlafender Länder.
Liegt dahinter ein unergründlicher Wille,
Vom ruhigen Herzschlag ew'ger Zeiten bewegt?

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Columbus - J. Wassermann

„Leben und Schicksal des Christoph Columbus zeigen mit augenscheinlicher Deutlichkeit, daß auch der zu großer Vollbringung bestimmte Mensch nur aus seiner zeitlichen Beschlossenheit heraus erklärt werden kann. Unsere Phantasie ist nur allzu geneigt, eine unsterbliche Figur mit den Eigenschaften auszustatten, die erst von ihren Wirkungen herkommen, sonach ihrer irdischen Existenz und Persönlichkeit mitnichten angehaftet haben. Ruhm ist ein höchst geheimnisvoller Kristallisationsprozeß, bei welchem viel Schlacke verarbeitet wird. Deshalb sehen die Zeitgenossen eine bedeutende Erscheinung entweder falsch oder gar nicht, während die Nachwelt stets die Endergebnisse vorwegnimmt, d. h. durch ihr Wissen vom Gewordenen (das im Grunde schon ein Erstarrtes ist) ihre Anschauung vom Werden und Sein entkräftet. Deshalb auch gleichen alle unsere Urteile über historische Epochen wie über historische Personen abgegriffenen Münzen, deren Wert nur bei seltenen Anlässen untersucht wird. Jede Überlieferung erhält sich durch die Summe der mit ihr verknüpften Irrtümer, anders kann und soll es auch nicht sein, denn der Irrtum ist ein zeugendes Element, aus ihm entsteht das Bild, der Mythos und immer erneutes Leben.

Aus: Jakob Wassermann,
Christoph Columbus
Der Don Quichote des Ozeans 

Dienstag, 17. Februar 2015

die ägyptologin

(...)
so braucht sie einen kühlen kopf beim lesen
über büchern, die schon fast verwesen.
das ist der ägyptologin milder fluch:
im staub zu wälzen buch für buch
voll geheimnisvoller alter zeichen,
die so gerne aus dem kopfe weichen.

zu behalten aber ist nicht nur die schrift,
nein, sie muss das weite sichten,
das zwischen zeilen ruht im lichten –
und spät nachts hebt sie nun den stift:

von alten welten bringt sie neue kunde,
verliert sich selbst in später stunde,
schreibt von längst vergang'nen stätten,
von ärzten, die mit kräutern menschen retten

und sie gebiert im stillen einen traum:
am saum der alten zeit zu wandeln,
erleben, wie die alten menschen handeln.
doch was sie beflügelt, rührt manch menschen kaum:

es ist die wurzel unsrer heut'gen zweige,
es ist die welt, die heut im geiste lebt,
es ist der stille raum, der nun erbebt,
damit er uns die zukunft zeige.

Freitag, 28. November 2014

Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unenntrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

[Hermann Hesse]

Dienstag, 4. November 2014

Wenn ich sitze, dann sitze ich …

Eine kleine Geschichte über die Gegenwart:

Ein in der Meditation erfahrener Mann wurde einmal gefragt,
warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer
so gesammelt sein könne.

Dieser sagte:
„Wenn ich sitze, dann sitze ich,
wenn ich stehe, dann stehe ich,
wenn ich gehe, dann gehe ich,
und wenn ich ankomme, dann komme ich an … “

Da fielen ihm die Fragesteller ins Wort und sagten:
„Das tun wir auch, aber was machst du noch darüber hinaus?“

Er sagte wiederum:
„Wenn ich sitze, dann sitze ich,
wenn ich stehe, dann stehe ich,
wenn ich gehe, dann gehe ich,
und wenn ich ankomme, dann komme ich an … “

Wieder sagten die Leute:
„Das tun wir doch auch!“

Er aber sagte zu ihnen:
„Nein, wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon,
wenn ihr steht, dann geht ihr schon,
wenn ihr geht, dann glaubt ihr euch schon am Ziel … “

(Quelle ist mir unbekannt)
Pdf: http://goo.gl/3cssWY

Freitag, 25. Juli 2014

Geh über die Dörfer

Philosophers path (danke)
















Spiele das Spiel. Gefährde die Arbeit noch mehr.
Sei nicht die Hauptperson. Such die Gegenüberstellung.
Aber sei absichtslos.
Vermeide Hintergedanken. Verschweige nichts.
Sei weich und stark. Sei schlau, lass dich ein und verachte den Sieg.
Beobachte nicht, prüfe nicht, sondern bleib geistesgegenwärtig bereit für ein Zeichen.
Sei erschütterbar.
Zeig deine Augen, wink die anderen ins Tiefe, sorge für den Raum
und betrachte einen jeden in seinem Bild.
Entscheide nur begeistert. Scheitere ruhig.
Vor allem hab Zeit und nimm Umwege. Lass dich ablenken.
Mach sozusagen Urlaub. Überhör keinen Baum und kein Wasser.
Kehr ein, wo du Lust hast, und gönn dir die Sonne.
Vergiss die Angehörigen, bestärke die Unbekannten, bück dich nach Nebensachen,
weich aus in die Menschenleere, pfeife auf das Schicksalsdrama, missachte das Unglück,
zerlach den Konflikt.
Beweg dich in deinen Eigenfarben, bis du im Recht bist und das Rauschen der Blätter süß wird.
Geh über die Dörfer.
Ich komme dir nach.

von Peter Handke

Samstag, 21. Juni 2014

Die Kraft der Seele ...

Die Kraft der Seele ist doch unendlich, sobald sie in guter Gewissheit mit der Kraft verbunden ist, von der sie ursprünglich kommt. Was braucht es alles, damit ein Mensch sich allzeit an seine seelische Heimat erinnert? Was ist nötig, damit er, wenn er es mit seinem Herzen erkannt hat, beim Guten bleibt und die lebendige Erinnerung selbst im größten Getümmel nicht verblasst? Ist es nicht die Erinnerung und Besinnung an das wahre Selbst, das in ihm wohnt?

Man sagt so dahin: „Ich bin doch nur ein Mensch!“, oder „Das ist doch nur menschlich!“ Es fragt sich nur, was damit gemeint ist. Dass der Mensch einfach schwach ist? Ist er das? Ja. Er ist schwach und schutzlos wie kein andres Wesen auf der Welt. Und dennoch so stark, dass er, ich sage jetzt nicht einen Berg versetzen könnte, nein, dass er bestehen kann in jeder Minute seines Lebens. Aber wie ich erfahren habe, liegt dieser Unterschied, die Entscheidung über sein Vermögen nur in ihm selbst. Und es wird nicht über ihn entschieden. Er vermag über sich zu entscheiden. Ein weiser Mann sagte einst zu mir: „Du bist die stärkste Kraft in deinem Körper.“, und das glaube ich auch. Nicht auf solche Art, dass ich meine, der Mensch sei die Kraft an sich, sondern die Kraft kann in ihm und durch ihn wirksam werden, sobald er in sich geht, zu seinem innersten Empfinden, und die Macht erkennt, die ihm gegeben ist. Und diese Macht wurde ihm geschenkt, um frei zu handeln, um das Entscheiden zu lernen; dies wiederum durch die Erfahrung, die aus allem Tun hervorgeht.

Wenn der Mensch frei auf die Erde kommt, ist er noch ganz verbunden mit seiner Heimat. All seine Wünsche verleugnet er nicht, ist nicht zurückhaltend damit. Und wenn er sich etwas wünscht, so will er es auch bekommen. Die Gedanken folgen seinem Willen und der Mensch handelt. Und der Wille bringt oft eine unbändige Kraft mit sich, eine Kraft, die alles im Menschen bewegt und Energien freisetzt.
Erwachsener werden wir und nicht selten be-scheidener mit wünschen und glauben. Und in diesem Wort steckt doch auch „scheiden“! Trennen wir uns dabei nicht von der ursprünglichen Kraft? Ohne diese Kraft wird das Leben jedoch zur Bürde.

Und es kommt dazu, dass der Wille des einstigen Kindes getrübt ist. Lust und Tatendrang werden zur gedrungenen Tat ohne Lust. Warum bloß? Die Kraft muss es sein, die ihm fehlt. Es ist jene Kraft, die Blumen erblühen lässt, jene, die der ganzen Erde ihre Pracht schenkt, deren Überfluss keine Grenzen zu kennen scheint! Diese Kraft, die das Müssen in ein Wollen wandelt. Diese, welche die Lebenskraft selbst ist, die jeden Tag aufs Neue verborgen fließt und sich doch so offen zeigt.

Wenn wir nur wüssten, wenn wir nur fühlten, dass wir dieser schaffenden Kraft so nahe sind – dass wir in uns ein großes verborgenes Flussbett haben, durch das sie so gerne fließen möchte. Nur erlauben müssen wir es ihr und die inneren Wassertore öffnen, indem wir an das Schöne und Gute denken, das in der Welt erblüht.

Dienstag, 10. Juni 2014

Besser reimfrei als sinnfrei ...

„Wenn der Reim den Sinn erschlägt,
ist das Gedicht tot.“
Ich finde es schön, erstmal ohne roten Faden zu dichten anzufangen. Letzterer entsteht meist von selbst im Fluss der Wörter und Verse; ähnlich wie beim freien Klavierspielen. Reim gibt dem Gedicht Struktur, Rhythmus, vielleicht eine Art Musik. Wenn ich aber Gedichte lese, deren Seele dem Reim zum Opfer gefallen ist, da denke ich mir: besser reimfrei als sinnfrei :-)

Samstag, 7. Juni 2014

Die kleine Ranke



Die kleine Ranke
Sieht es nicht,
Doch will sie hin zum Licht,
Zu ihrem hellen Lebenstranke.

Der Weg scheint endlos weit,
Das Licht erscheint ihr ferne –
Dort oben sein würd’ sie so gerne.
Da ist sie schon befreit!

Befreit von Zukunft und Bedenken,
Denn sie sieht den Weg vor sich,
Den schönen, dessen grauer Schleier wich –
Jetzt lässt sie sich vom Augenblick beschenken.
Der wird sie nun nach oben lenken.

Juni 2014

****
Diesmal mit einem Klavierstück:
http://hearthis.at/michael.gasperl/die-kleine-ranke/

[Nachtrag Jan 2015]: Mittlerweile ist eine ganze CD daraus entstanden, die schon auf iTunes erhältlich ist.

Dienstag, 29. April 2014

Nägel im Zaun

Es war einmal ein Junge mit einem schwierigen Charakter. Er war aufbrausend, und ständig stritt er mit anderen, oft um Kleinigkeiten.
Eines Tages gab ihm sein Vater einen Beutel mit Nägeln mit folgendem Auftrag: Jedes Mal, wenn er wütend wird, die Geduld verliert oder streitet, solle er einen Nagel in den Gartenzaun schlagen. Am ersten Tag schlug der Junge 17 Nägel in den Zaun. Doch in den folgenden Wochen wurden die Nägel, die er einschlagen musste, nach und nach weniger. Er war zu der Einsicht gekommen, dass es einfacher war, sich zu beherrschen, als ständig Nägel einzuschlagen.
Schließlich kam der Tag, an dem er keinen einzigen Nagel mehr in den Zaun schlug. Er ging zu seinem Vater und erzählte es ihm.
Der lobte ihn und bat ihn, nun an jedem Tag einen Nagel wieder herauszuziehen, an dem es ihm wieder gelang, sein Temperament zu zügeln.
Viele Tage vergingen, denn es steckten ja viele Nägel im Zaun. Aber dann war es geschafft und der Sohn konnte seinem Vater berichten, dass alle Nägel aus dem Zaun entfernt seien.
Bedächtig ging der Vater mit dem Sohn zum Zaun und sagte zu ihm: „Mein Sohn, du hast dich in den letzten Wochen sehr gut benommen. Aber schau, wie viele Löcher du in dem Zaun hinterlassen hast. Er wird nie mehr der gleiche sein.
Jedes Mal, wenn du Streit mit jemandem hast und ihn beleidigst, bleiben Wunden zurück – wie diese Löcher im Zaun. Und diese Wunden, die du durch Worte verursachst, tun genauso weh wie körperliche Wunden.
Ganz egal, wie oft du dich entschuldigst, die Wunden werden bleiben. Sei also in deinem weiteren Leben sehr achtsam mit deinen Worten, denn nur wenige Menschen sind in der Lage, dir wirklich aus tiefstem Herzen und voller Liebe zu verzeihen, sodass Heilung für euch beide geschehen kann.“
So gingen sie zum Haus zurück und als Erinnerung an die Worte seines Vaters trug der Sohn stets einen kleinen Nagel bei sich, den er in besonders schwierigen Situationen liebevoll mit der Hand umschloss, und so gelang es ihm, mit allen Menschen friedvoll umzugehen.
(unbekannter Autor)

Überarbeitet, Quelle: http://goo.gl/esj9M5

Dienstag, 26. November 2013

Grenzen ...

Sind die engsten Grenzen nicht die selbst auferlegten?
Oft haben wir sie wegen Erfahrungen aus der Vergangenheit, aber wer gibt uns die Gewissheit, dass wir jetzt nicht anders geworden sind und diese Grenzen gar nicht mehr haben?
Wenn wir aber glauben, dass sie da sind, so sind sie es.

Sonntag, 13. Oktober 2013

Wenn ihr eure Augen ...

„Wenn ihr eure Augen nicht gebraucht, um zu sehen,
werdet ihr sie gebrauchen, um zu weinen.“
Jean-Paul Sartre

Sonntag, 1. September 2013

Seele

Wenn wir eine Seele haben,
Besteht sie aus der Liebe, die wir teilen.
Ungetrübt von Zeit,
Losgelöst vom Tod.

Zitat aus dem Film Oblivion

Mittwoch, 28. August 2013

Jede Gabe ...

Adalbert Stifter: “Jede Gabe ist ein Geschenk Gottes, der Charakter aber ein Produkt der eigenen Seele, weshalb Gaben entzücken, Charaktere aber geliebt werden.“

Dienstag, 27. August 2013

Freiheit in der Bindung

Mein Heilpraktiker hat mir mal gesagt, die richtige Freiheit könne man nur in der Bindung erleben. Ist das nicht ein Widerspruch? Wie kann das sein?

Aber ist es wirklich die absolute Freiheit, wenn man tun und lassen kann wann und wo man immer will, ganz unabhängig von anderen Menschen? Ist man dann nicht gewissermaßen Untertan seiner selbst, vielleicht getrieben? Man steht ständig in seiner eigenen Verantwortung ohne gebunden zu sein an andere Menschen.

Wenn ich mich so zurückerinnere, dann waren es tatsächlich die Zeiten starker Bindung, wo ich mich am freisten gefühlt habe. Als Kind ist man abhängig und gebunden wie wohl zu keiner Zeit im Leben danach – und gerade da hatte ich das Gefühl, alles machen zu können, unbekümmert, behütet. Vielleicht ist völlig frei sein und sich völlig frei fühlen Zweierlei? Und später in der Partnerschaft habe ich ein intensives – wenn auch anders begründetes – Gefühl der Freiheit und innerer Entspannung erlebt.

An der Psychologie habe ich Aufnahmen gesehen von Affenmutter und -baby. Das Affenbaby hat sich an die Mutter geschmiegt und nach einer gewissen Zeit hat es den Raum erforscht (exploriert). Dann kam der Zeitpunkt, wo es wieder zur Mutter lief und sich an sie klammerte, Sicherheit suchte (also Bindungsstreben). So ging das immer dahin. Ohne Mutter aber, ohne deren Sicherheit, saß es in einer Ecke und hatte nur Angst.

Bindung scheint so eine Art Energie und Mut in uns zu entfachen, um gelassen die Freiheit zu erleben.

Ich glaube, dass wenn ein Mensch tiefen Glauben an Gott erlangt und damit Vertrauen, genauso diese Freiheit und Leichtigkeit erleben kann.

Weitere Stichworte dazu:
* Bindung der Gegensätze. Etwas scherzhaft gemeint: “ Gegensätze ziehen sich an, bis sie merken, dass sie sich abstoßen.“
* Geringste Bindung: egal, Gleichgültigkeit - dazu Reis-Experiment von Emoto mit drei Gläsern: Dummkopf, Dankbarkeit und Ignoration (selbst zu prüfen)

Sonntag, 11. August 2013

Manche Dinge ...

Manche Dinge machen mehr kaputt als sie zerstören
– aber besser nie als gar nicht …

Samstag, 10. August 2013

Wieder werden wie ein Kind...

Wenn das Wort dem Gedanken vorauseilt
Und das Urteil dem Verständnis,
Wenn die Tat der Idee zuvorkommt
Und das Belehren vor der Erfahrung...
Kann es dann sein, dass der Kopf größer geworden ist, als das Herz? Ist dem so, dann könnten wir in dem Moment ja innehalten und uns zurückbesinnen,  dass wir gar nicht so groß sein müssen, dass es sich vielleicht viel besser anfühlt, ganz still zu werden, in die eigene Mitte zu gehen und einfach zuzuhören, was da ist.
Wärme, Einfachheit, Liebe.

Mittwoch, 5. Juni 2013

Erst am Anfang ...

Leben ...
Der da glaubt, er ist schon weit,
Begann doch erst zu wandern.
Und so glaubt er schon zu wissen,
Doch steht er erst am Anfang.

Denn Leben ist ein weites Land,
Größer, als ein Mensch kann forschen.
Und die Erde hat mehr Farben,
Als ein Auge könnte sehen.

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Ver.1
Wenn man glaubt, man ist schon weit,
Hat man erst begonnen zu wandern.
Wenn man glaubt schon alles zu wissen,
Steht man erst am Anfang.
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Sonntag, 12. September 2010

Von einem kleinen Zweifling

Ein kleines Pilzgedicht

Bunt ist all die Pracht der Hüte
Und die Bestimmung reichlich schwer
Doch die Freude an der Speisegüte
Treibt den Sammler immer sehr.

Ist ein Fleck gefunden,
Mit Überschwang an Pilz,
Steht der Sammler da wie angebunden
Mit seinem breiten Hut aus Filz.

Hurtig aufgeschlagen ist das dicke Buche,
Das als treuer Wegbegleiter immer gern dabei,
Und es beginnt die gespannte Suche,
Sei dies nun ein Hexenröhrling oder -ei

Die Zeit vergeht, die Seiten knistern,
Der Freund, er bietet seinen Ratschlag an.
Voll Denkerfalten meint der Filzhut nun mit einem Flüstern,
Dass er den nun gar nicht recht bestimmen kann.

Ein Vogel lacht von drüben
Ein Sonnenstrahl erhellt den Wald
Man sieht zwei Burschen, die noch weiterüben,
Sie werden's schon mal können -- später oder bald.

:-) 

Montag, 1. September 2008

Der Nawumba

(...)
"Das ist ein Beutel mit kleinen weichen, lieben Dingen
Wenn du magst kannst du dich da reinkuscheln und bist geschützt vor allen bösen Dingen in der Welt, da kann dir niemand was anhaben.
Wenn jemand einmal einen Nawumbasack bekommen hat, möchte er ihn nie wieder hergeben. Wenn man sich in den Nawumbasack eingewickelt hat, sieht man auch nur mehr alles Gute.
Aber der ist gar nicht neu, den gibt es schon sehr lange."

Ursprünglich kommt der Nawumba von meinem Heimatplaneten. Dort hat man viel Zeit. Zeit ist dort eine willkommenes Gut im Überfluss und man verwendet sie auch mit großem Respekt. Mein Urgroßvater hat dort einen solchen Nawumba geschnitzt. Zuweilen sagte man zu so manch handwerklicher Kunst Schnitzen, auch wenn es nicht direkt etwas mit Schnitzen zu tun hatte. Aber man mochte das Wort einfach. Mein Urgroßvater hat wunderbare Nawunbas geschnitzt und einen davon hat er mir gegeben, eines Tages, als der goldene Wärmeschatz sich noch hoch gen Himmel hob. Wir saßen damals zusammen auf der Weißholzbank und sahen in die weite Degesche, vor der unser tiefblauer Quanuk lag, in dem wir uns manchmal abkühlten, wenn der Tag sich von seiner heißeren Seite zeigte. Mein Zuhause war groß, sehr groß, aber jeder hatte eben soviel, wie er sich wünschte - denn Platz war ja mehr als genug da. Mein Planet war gütig zu den Menschen, weil die Menschen gütig und liebevoll zu ihm waren. Die Natur war ihr Freund, genauso mochte die Natur ihre ehrlichen Bewohner.
Etwas verträumt blinzelte ich seinen Rauchkunstwerken nach, die sich im Licht des angehenden Tages langsam zerstreuten, nachdem sie von seiner Berberholzpfeife in die Höhe gestiegen waren. Mein Urgroßvater - man muss wissen, dass die Menschen auf meinem Planeten viel älter geworden sind, als man es sich heute so allgemein vorstellt - sah mich mit seinen munteren Augen tief und herzvoll an und reichte mir voll Freude einen kleines Gebinde, das er aus seinem weiten Mantel zog. Mein Urgroßvater war ein einfacher Mann und machte nie viel Aufhebens; auch nicht wenn es sich um große Dinge handelte. Und zweifellos zählte dies zu den großen Augenblicken meines Lebens.
"Der ist für dich. Weißt du was das ist?"
"Nein", erwiderte ich.
"Dann will ich dir eine kleine Geschichte erzählen. Er bekam seinen Namen von den Alten, die noch die ewige, die ursprüngliche Sprache, gebrauchten. Sie nannten ihn Nawumba; heute würde man dieses Wort mit "leuchtender Federtanz" umschreiben. Die Menschen haben damals entdeckt, dass sie ihre Gefühle in bestimmte Dinge legen konnten; dass sie also etwas schaffen konnten, das gute Gefühlskräfte weitertrug und in sich große Kraft vereinte. Man übte sich in diesen Dingen und schuf so in einer Vereinigung von Geist und Handwerk wunderbare Dinge. Man konnte, wenn man genau hinsah, sogar ein feines Leuchten von diesen Gegenständen ausgehen sehen. Das wunderbarste, was man aber schuf, war dieser "leuchtende Federtanz", der Nawumba. Dies war das Meisterstück der Alten. Man kann sagen, dass sich der lodernde Ball des Wärmeschatzes selbst in ihm befand, ohne zu verbrennen, ohne zu blenden, und jeder, der ihn in der Hand hielt, spürte seine schützende Kraft in sich aufsteigen. Nur ein Mensch voll tiefgründiger Liebe konnte den Nawumba zu seiner Vollendung bringen und es begann der Brauch, dass man ihn weitergab an Menschen, die einem wichtiger waren als alles in der Welt, die man über alles liebte. Und man legte all die Liebe zu dem Menschen hinein, während man am Nawumba arbeitete, all die guten Gedanken, die man für diesen besonderen Menschen hegte. Und wenn dieser dann in all seiner Einzigartigkeit vollendet war, legte man den "leuchtenden Federtanz" seinem innig Verbundenen in die Hand, mit einem tiefen Seelenblick."

20.09.2007

Die Welt, wie wir sie sehen ...

~~~ ~~~ ~~~ ~~~ ~~~ ~~~
Das Auge ist es nicht,
Das die Welt hier sieht.
Sie spiegelt sich im Licht,
Das vom Betrachter flieht.

Die Worte sind es, die beschreiben
Der Geist ist es, der es belebt
Erinnerungen, die da bleiben
Mit Gefühlen fein verwebt

Hell und sanft malt nun
Der Pinsel des Großen Malers.

Hell und warm
zur Weinachtszeit.
~~~ ~~~ ~~~ ~~~ ~~~ ~~~

22.Dez'05

Sonntag, 31. August 2008

Sternennacht - des Mondes Macht

Wieder sieht er auf die Erde nieder
Sieht die Gedanken zieh‘n, es kommen Lieder
Wie sie auf den Menschen wirken
Mal schwarz, mal weiß wie Birken
Schneegestöber

Klares Weiß bedeckt das Land
Als wäre es von Kristallen ‐ so fein wie Sand
Er liebt es, sein leuchtend Blau im diesem Weiß zu sehen
Träume sind es, die nun auf die Reise gehen.
Bunte Tücher

Sie wehen durch die weiße Nacht
Ein Vogelruf, so leis‘ und sacht,
Als ob er Ehrfurcht zeige
Und sich vor der Stille neige.
Flügelschlagen

Der alte Kauz erhebt sich in das helle Dunkel
Vereinzelt sieht er Lichter noch im Tal
Im Fluss gewahrt er einen Wohlbekannten.
Zufrieden zieht er seinen großen Kreis.
Des Mondes Lichtgeschenk

Liebe ist es, die Ihn verbindet mit der Erde ‐
Dieselbe, die für alles sorgt, was werde.
So streckt er seine feinen Lichterhände
Aus bis ins entlegendste Gelände.
Gedankenseide

Eine Frau blickt durchs Fenster
Auf zu ihrem alten Freund.
Mit den hellen, tiefen Augen
Fängt sie geschickt die feine Seide.
Zeichen aus Papier

Was sind nun diese Zeichen,
die sie den Menschen bringt?
Sie können manche Lebensweichen
stellen, wenn die inn're Schau gelingt.
Blick in neue Welten ...

für Juna


10. April 2007

Unverständnis - das Verständnis

Unverständnis fühlt man dann und wann
Beim Gegenüber. Und ein Gedankensteg zerrann.
Die Brücke ist Verstehen.

Beim Gespräch oder im Zusammensein --
Ist man entzwei im Geist, ist man allein.
So kann man keinen Weg begehen.

Sei dieser Weg nun geistiger Natur,
Oder von weltlicher Struktur,
Man bleibt am Anfang der verhofften Reise.

Trifft jedoch die Seele ein bekanntes Herz,
Fliegt der Sinn oft himmelwärts.
Das Wort ist leicht, die Stimme leise.

Was auch immer das Gespräch bedinge,
Es erblüh'n Ideen, eine neue Sicht der Dinge.
Nicht selten löst sich hier und dort die Schranke.

Zwei Lichter leuchten hell,
Vereint in eine Richtung.
Was sie sehen, ist ein Gedanke.

30. Oktober 2006

---
Kommentar:
Ich geb Dir mal eine kleine Erläuterung dazu:
1) ist während der Beantwortung eines Mails entstanden, wiedermal nachts, 0:30
2) hat ein neues Versmaß:
aax bbx [ccy ddy] eez ffz
3) Ist in zwei gleiche Teile gegliedert: 3 Verse "dunkel" 3 Verse "hell", Der Übergang befindet sich genau in der Mitte, also genau innerhalb eines Versmaßes (ccy ddy)

Interpretation:Teil 1: Unverständnis, Gedankensteg zerrann, im Geist entzwei, kann man keinen Weg begehen, am Anfang der verhofften Reise
Teil 2: bekanntes Herz, himmelwärts, das Wort ist leicht, neue Sicht der Dinge, zwei Lichter leuchten hell.


Mögliche Deutung der Metaphern:
Gedankensteg: geistige Brücke, Verbindung
Das Wort ist leicht: Es fließen die Gedanken wie von Selbst, Ideen
Die Stimme leise: Stille, Konzentration, etwas Geistiges kann sich aufbauen, kontruktiv. Was ist, wenn die Stimme laut wird? Ist es nicht oft Streit, Zerstörung, Uneinigkeit?
Löst sich ein Schranke: Die Grenzen des Denkens, der Sichtweise, erweitern sich, man entdeckt in dem Gespräch Dinge, die man alleine nicht gesehen hätte.
Zwei Lichter: Das Licht steht für den Geist des Menschen.

30.Okt'06 - aus einem E-Mail an Juna

Gedicht als pdf

Donnerstag, 16. August 2007

Die Kraft des Wortes (islamische Geschichte)

Eine Geschichte erzählt von einem Sufi (islamischer Mystiker), der ein krankes Kind heilte. Er wiederholte einige Worte, dann gab er das Kind seinen Eltern und sagte: „Nun wird es gesund werden.“ Jemand, der dies nicht glauben wollte, warf ein: „Wie kann es möglich sein, dass irgend jemand durch ein paar wiederholte Worte geheilt werden kann?“
Von einem sanften Sufi erwartet niemand eine zornige Antwort, doch jetzt drehte er sich zu dem Mann um und entgegnete heftig: „Du verstehst nichts davon. Du bist ein Narr!“
Der Mann fühlte sich sehr beleidigt. Sein Gesicht rötete sich und er wurde sehr wütend. Der Sufi sagte nur ganz ruhig: „Wenn ein Wort die Kraft hat, dich wütend zu machen, warum sollte ein Wort nicht auch die Kraft haben, zu heilen?“
Hazrat Inayat Khan

Mittwoch, 4. Juli 2007

wie eine blume atmet ...

wie eine blume atmet
wie ein sonnenstrahl sich anlauscht
wie wasser riecht
wie erde tönt
und der regen spürt
die sterne duften
und die berge träumen
wie blätter schwingen
und den baum umfließen
wie der wind umstreicht
deren stille wärme
dampfend erhebt sich die
erde auf zu neuem leben
nieder sinkt des regens
frischer duft
der grashalm blickt
kühle atmend auf zur weiten luft
unendlich scheint der weg, die große kluft
doch wieviel trennt ihn von der sehnsucht weiter ferne
er möchte gehen, kann es nicht
er möchte fliegen ohne flügel

[in einem telefonat zusammen mit juna gedichtet]