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Dienstag, 4. November 2014

Wenn ich sitze, dann sitze ich …

Eine kleine Geschichte über die Gegenwart:

Ein in der Meditation erfahrener Mann wurde einmal gefragt,
warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer
so gesammelt sein könne.

Dieser sagte:
„Wenn ich sitze, dann sitze ich,
wenn ich stehe, dann stehe ich,
wenn ich gehe, dann gehe ich,
und wenn ich ankomme, dann komme ich an … “

Da fielen ihm die Fragesteller ins Wort und sagten:
„Das tun wir auch, aber was machst du noch darüber hinaus?“

Er sagte wiederum:
„Wenn ich sitze, dann sitze ich,
wenn ich stehe, dann stehe ich,
wenn ich gehe, dann gehe ich,
und wenn ich ankomme, dann komme ich an … “

Wieder sagten die Leute:
„Das tun wir doch auch!“

Er aber sagte zu ihnen:
„Nein, wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon,
wenn ihr steht, dann geht ihr schon,
wenn ihr geht, dann glaubt ihr euch schon am Ziel … “

(Quelle ist mir unbekannt)
Pdf: http://goo.gl/3cssWY

Samstag, 21. Juni 2014

Die Kraft der Seele ...

Die Kraft der Seele ist doch unendlich, sobald sie in guter Gewissheit mit der Kraft verbunden ist, von der sie ursprünglich kommt. Was braucht es alles, damit ein Mensch sich allzeit an seine seelische Heimat erinnert? Was ist nötig, damit er, wenn er es mit seinem Herzen erkannt hat, beim Guten bleibt und die lebendige Erinnerung selbst im größten Getümmel nicht verblasst? Ist es nicht die Erinnerung und Besinnung an das wahre Selbst, das in ihm wohnt?

Man sagt so dahin: „Ich bin doch nur ein Mensch!“, oder „Das ist doch nur menschlich!“ Es fragt sich nur, was damit gemeint ist. Dass der Mensch einfach schwach ist? Ist er das? Ja. Er ist schwach und schutzlos wie kein andres Wesen auf der Welt. Und dennoch so stark, dass er, ich sage jetzt nicht einen Berg versetzen könnte, nein, dass er bestehen kann in jeder Minute seines Lebens. Aber wie ich erfahren habe, liegt dieser Unterschied, die Entscheidung über sein Vermögen nur in ihm selbst. Und es wird nicht über ihn entschieden. Er vermag über sich zu entscheiden. Ein weiser Mann sagte einst zu mir: „Du bist die stärkste Kraft in deinem Körper.“, und das glaube ich auch. Nicht auf solche Art, dass ich meine, der Mensch sei die Kraft an sich, sondern die Kraft kann in ihm und durch ihn wirksam werden, sobald er in sich geht, zu seinem innersten Empfinden, und die Macht erkennt, die ihm gegeben ist. Und diese Macht wurde ihm geschenkt, um frei zu handeln, um das Entscheiden zu lernen; dies wiederum durch die Erfahrung, die aus allem Tun hervorgeht.

Wenn der Mensch frei auf die Erde kommt, ist er noch ganz verbunden mit seiner Heimat. All seine Wünsche verleugnet er nicht, ist nicht zurückhaltend damit. Und wenn er sich etwas wünscht, so will er es auch bekommen. Die Gedanken folgen seinem Willen und der Mensch handelt. Und der Wille bringt oft eine unbändige Kraft mit sich, eine Kraft, die alles im Menschen bewegt und Energien freisetzt.
Erwachsener werden wir und nicht selten be-scheidener mit wünschen und glauben. Und in diesem Wort steckt doch auch „scheiden“! Trennen wir uns dabei nicht von der ursprünglichen Kraft? Ohne diese Kraft wird das Leben jedoch zur Bürde.

Und es kommt dazu, dass der Wille des einstigen Kindes getrübt ist. Lust und Tatendrang werden zur gedrungenen Tat ohne Lust. Warum bloß? Die Kraft muss es sein, die ihm fehlt. Es ist jene Kraft, die Blumen erblühen lässt, jene, die der ganzen Erde ihre Pracht schenkt, deren Überfluss keine Grenzen zu kennen scheint! Diese Kraft, die das Müssen in ein Wollen wandelt. Diese, welche die Lebenskraft selbst ist, die jeden Tag aufs Neue verborgen fließt und sich doch so offen zeigt.

Wenn wir nur wüssten, wenn wir nur fühlten, dass wir dieser schaffenden Kraft so nahe sind – dass wir in uns ein großes verborgenes Flussbett haben, durch das sie so gerne fließen möchte. Nur erlauben müssen wir es ihr und die inneren Wassertore öffnen, indem wir an das Schöne und Gute denken, das in der Welt erblüht.

Dienstag, 5. Juni 2007

Entstehung des Lebens

Ein Grundgesetz der Natur lautet Entropie. Alles strebt dem größten Gleichgewicht aller Dinge – in unserem Sinne der Unordnung, dem Chaos – entgegen. Aus welchem Grund also sollte sich ein Stoff von sich selbst aus zu höherer Ordnung formen? Das wäre doch so, als beschlösse Wasser plötzlich, aus dem See den Berg hinaufzufließen, also entgegen die Schwerkraft zu streben.
Also stellt sich die Frage: Welche Kraft lässt das Wasser aufwärts fließen, welche Kraft verursachte die Wendung der Stoffe hin zur höheren Ordnung des Lebens? Welche Kraft hält alles Leben zusammen?

[das atom] Man stelle sich ein Fußballfeld vor, in der Mitte einen Kirschkern; um das Feld kreist ein Sandkorn. Das materielle Weltbild scheint also auf Sand gebaut, es steht im Nichts. Denn man geht heute davon aus, dass der Kirschkern und das Sandkorn auch nicht fester Stoff sind, sondern viel mehr Energiezustände; je weiter man in die sogenannte Materie vorstößt, desto weniger findet man von derselben.
Nach H.P. Dürr steht – je weiter man in die Tiefe der Materie vordringt – letztendlich am Anfang die Form.

Freitag, 18. Juli 2003

Der Freund

Das Leben ist kein Rad,
Vielmehr ist es eine Wiese
- ganz ohne Pfad.
Möglich ist die Lebenskrise:

Falls man ohne Ziel und ohne Kraft
Nichts mehr will und nichts mehr schafft.

So wichtig ist dann ein Freund,
- eine sehr vertraute Menschenseele -
Mit dem ein Hindernis schnell weggeräumt
Auf dass man sich nicht länger quäle.

„So“, spricht er „wähle!“
Willst du durchs Leben gehen
Mit trock’ner Kehle?

Steig vom Rad nun schnell herunter,
Das nur du selbst dir hast gebaut!
Geh’ durchs Leben frisch und munter!
Hast du vorher Gott vertraut?

Du hast bisher auch nur das bekommen,
Was du vorher aufgenommen!

Öffne nur dein Herz
Und gib ab nun diesen Schmerz
Der doch gar nicht deiner ist
Wieder der sein der du bist!

18. Juli 2003

http://m.gasperl.at/poesie/DerFreund.htm

Samstag, 22. Februar 2003

Der Augenblick

Der Augenblick bleibt nie bestehen,
Doch es gibt viele neue, die kommen und vergehen.

Behalten können wir sie im Gedächtnis,
Aber das Leben ist ein Vermächtnis
Kein Behälter, in dem wir alles sammeln sollen,
Wie die Bienen ihren Pollen.

Wenn wir alles würden horten und dann sammeln,
Wird das Leben zum stehenden Gewässer,
In dem wir nicht mal richtig stehen,
Und werden trotzdem immer nässer.

Nicht viel Neues kommt hinzu.
Alles geht in gleichen Bahnen
Manchmal fragen wir uns dann "Wozu?",
Ohne dass wir des Lebens wahre Größe ahnen!

Stumpf wird es und zur Routine -
wir müssen einen Abfluss lassen!

Nicht aus des Alltags mahlenden Turbine,
sondern aus den frischen Lebensquellen
gilt es reichlich Wasser fassen!

Es kosten und entlassen.

So bleibt der Strom des Lebens stets bestehen
und wir können weiter gehen.

22. Februar 2003
http://m.gasperl.at/poesie/augenblick.htm

Donnerstag, 14. Februar 2002

Die Nacht ist nicht zum Wachen da ...

Die Zeit, sie ist vorangeschritten.
Nun will ich dich zur Ruhe bitten.

Schließlich bewegen wir uns nur in kleinen Schritten
und geh'n zu Fuß, sind nicht beritten.

Ein Reiter sieht auch nicht die Blume blüh'n,
reitet vorbei mit großem Tempo, kühn.

Er kommt schnell ans Ziel,
und hat dennoch nichts vom Ritt.
Der aufmerksame Wanderer sieht viel,
auch vom Land, das er duchschritt.

Der Mensch, er ist ein Sonnenwesen,
das ist er immer schon gewesen.

Etwas schaffen ist ihm eine Wonne -
besonders unter Gottes Sonne.

Und so soll er nicht die Nacht zum Tage machen,
soll wo alles ruht, nicht wachen.

Denn mit jeder Stunde Nacht
ist ein Teil des Tags verwacht.

Nun gönne deiner Seele Ruh'
und mache deine Augen zu.

14. Februar 2002
http://m.gasperl.at/poesie/nacht.htm